Was ist Legal Due Diligence?
Due Diligence ist die systematische Prüfung eines Unternehmens vor dem Abschluss einer Investition. In der Venture-Capital-Finanzierung umfasst sie üblicherweise Legal Due Diligence (Rechtsstruktur, Verträge, IP, Arbeitsrecht), Financial Due Diligence (Finanzkennzahlen, Verbindlichkeiten, Forecast) und Technical Due Diligence (Technologie, Architektur, Skalierbarkeit).
Die Legal Due Diligence wird von Anwälten des Investors durchgeführt. Ihr Ziel ist es, Risiken zu identifizieren, die eine Investition oder das Closing beeinflussen könnten. Erkannte Risiken können zu Preisanpassungen, Garantieforderungen, Closing-Bedingungen oder im schlimmsten Fall zum Abbruch der Transaktion führen.
Ein Datenraum für eine Finanzierungsrunde sollte spätestens aufgebaut werden, sobald konkrete Investorengespräche beginnen. Für institutionelle Runden empfiehlt sich die Vorbereitung bereits vor Abschluss des Term Sheets. Entscheidend ist nicht die maximale Dokumentenmenge, sondern ein vollständiger, konsistenter und nachvollziehbar strukturierter Bestand.
Wann sollte der Datenraum vorbereitet werden?
Der Zeitpunkt der Vorbereitung hängt von der geplanten Runde, der Investorenstruktur und dem Reifegrad der Dokumentation ab. Die folgenden Anhaltspunkte helfen bei der Einordnung:
- Vor Beginn konkreter Investorengespräche.
- Spätestens parallel zur Term-Sheet-Phase.
- Vor einer institutionellen Series A.
- Vor Freigabe sensibler Unterlagen.
- Mit ausreichend Zeit für ein Corporate Cleanup.
- Mit frühzeitiger Identifikation fehlender IP-, Vertrags- oder Cap-Table-Dokumente.
Eine pauschale feste Vorbereitungsdauer lässt sich nicht sinnvoll nennen - sie richtet sich nach dem Zustand der bestehenden Dokumentation und dem Umfang notwendiger Bereinigungen.
Empfohlene Ordnerstruktur für die Investor Due Diligence
Die folgende Struktur ordnet die typischen Datenrauminhalte in 14 Hauptordner. Jeder Ordner ist aufklappbar und enthält konkrete Dokumentbeispiele.
Corporate-Unterlagen und Cap Table
- Aktuelle Satzung
- Aktuelle Gesellschafterliste
- Handelsregisterauszug
- Gründungs- und Kapitalerhöhungsbeschlüsse
- Vollständiger Cap Table
- Side Letters und Nebenabreden
- Wandeldarlehen
- SAFE- und Convertible-Dokumentation
- Poolvereinbarungen
- Treuhand- oder Pooling-Strukturen
- Frühere Term Sheets und Investment Agreements
- Bestehende Gesellschaftervereinbarungen
- Vollmachten und zustimmungsbedürftige Maßnahmen
Cap Table und rechtliche Dokumentation müssen miteinander übereinstimmen. Widersprüche zwischen Gesellschafterliste, Gesellschaftsvertrag und Cap Table gehören zu den häufigsten Verzögerungsursachen in der Due Diligence.
IP, Software und Gründerbeiträge
- Übertragung von Gründer-IP
- Arbeitnehmererfindungen
- Freelancer- und Entwicklerverträge
- Open-Source-Komponenten
- Marken und Domains
- Softwarelizenzen
- Datenbanken
- Nutzungsrechte
- Dokumentation von Entwicklungsbeiträgen
- Abgrenzung persönlicher und gesellschaftseigener Accounts
Red-Flag-Hinweis: Fehlende oder unklare IP-Übertragungen sollten vor Öffnung des Datenraums identifiziert und soweit möglich bereinigt werden. Sie gehören zu den häufigsten Closing-Bedingungen.
AI- und Software-Due-Diligence wird Teil der Investorprüfung
Bei AI- und softwaregetriebenen Unternehmen reicht die klassische Prüfung von Marken, Entwicklerverträgen und IP-Zessionen nicht aus. Investoren prüfen zunehmend auch Herkunft und Nutzbarkeit von Trainingsdaten, eingesetzte Modelle, Open-Source-Abhängigkeiten, Drittanbieterbedingungen, AI-Governance und die Belastbarkeit entsprechender Garantien im späteren Beteiligungsvertrag. Ob und in welcher Tiefe dies geschieht, hängt vom Geschäftsmodell und der jeweiligen Runde ab – eine pauschal identische Prüftiefe lässt sich nicht annehmen.
Welche AI-Unterlagen gehören in den Datenraum?
Die folgende Checkliste vertieft die Kategorie „IP, Software und Technologie" für AI- und softwaregetriebene Geschäftsmodelle. Nicht jeder Punkt ist für jedes Unternehmen einschlägig.
- Übersicht eingesetzter Foundation Models
- selbst entwickelte Modelle
- Fine-Tuning-Dokumentation
- Trainingsdatenquellen
- Datenlizenzierung
- Web-Scraping-/Data-Acquisition-Prozesse
- Einwilligungen und sonstige Rechtsgrundlagen
- AI-/ML-Entwicklerverträge
- Open-Source-Komponenten
- Modell- und API-Lizenzen
- Drittanbieter-AI-Services
- Output-Nutzungsbedingungen
- interne AI Policies
- Risikoklassifizierung soweit einschlägig
- Security-/Model-Incident-Dokumentation
- bekannte IP- oder Datenschutzbeschwerden
Training Data und Rechtekette
Im Zentrum der AI-Due-Diligence steht die Frage, ob die eingesetzten Daten rechtlich sauber erworben und für den jeweiligen Zweck nutzbar sind. Typische Prüffragen:
- Woher stammen die Daten?
- Auf welcher Rechtsgrundlage werden sie verwendet?
- Welche Lizenzbedingungen gelten?
- Dürfen Daten für Training, Fine-Tuning und kommerzielle Outputs genutzt werden?
- Enthalten Datensätze personenbezogene Daten?
- Bestehen Lösch- oder Einschränkungsverpflichtungen?
- Sind Daten aus Kundenverträgen für Training freigegeben?
- Gibt es Datenquellen, deren Provenance nicht dokumentiert ist?
Eine pauschale Aussage zur Rechtmäßigkeit von Web-Scraping oder Modelltraining lässt sich nicht treffen – sie hängt von der jeweiligen Datenquelle, der Rechtsgrundlage, den Lizenzbedingungen und dem Nutzungszweck ab.
Open Source und Software Supply Chain
Neben der IP-Kette prüfen Investoren die Software Supply Chain. Typische Prüfpunkte:
- OSS-Inventar
- Copyleft-Lizenzen
- Abhängigkeiten
- Paketverwaltung
- SBOM soweit vorhanden
- Contributor Agreements
- Freelancer-Code
- Git-Repositories
- personenbezogene Entwickleraccounts
- Third-Party Libraries
- API-Abhängigkeiten
- Single-Vendor-Risiko
AI-Warranties im Beteiligungsvertrag
Aus der AI-/Software-Due-Diligence speisen sich die Garantien, die Investoren im Beteiligungsvertrag verlangen. DD-bezogen können Garantien zu folgenden Themen Gegenstand der Verhandlung werden:
- Rechteinhaberschaft
- Trainingsdaten
- Third-Party Models
- Open Source
- Datenschutz
- AI-Regulierung
- Security Incidents
- Rechtsstreitigkeiten
- Compliance mit wesentlichen Provider Terms
Founder- und Investorensicht
Die folgende Tabelle ordnet die zentralen AI-/Software-DD-Themen den jeweiligen Interessen und der Datenraum-Lösung zu.
| Thema | Founder-Ziel | Investor-Ziel | DD-Lösung |
|---|---|---|---|
| Training Data | nachvollziehbare Provenienz, klare Nutzungsbasis | Rechtekette und kommerzielle Nutzbarkeit prüfbar | Trainingsdatenquellen, Lizenzen, Rechtsgrundlagen im Datenraum |
| IP Chain | sauber übertragene Gründer- und Entwickler-IP | freie IP ohne Drittrechte | IP-Zessionen, Entwickler- und Freelancerverträge |
| OSS | nutzbar ohne Copyleft-Kollision | keine unkalkulierbaren Lizenzrisiken | OSS-Inventar, Abhängigkeiten, SBOM |
| Third-Party Models | nicht austauschbare Kerntechnologie dokumentiert | Abhängigkeit und Änderungsrisiko erkennbar | Modell- und API-Lizenzen, Provider Terms |
| Customer Data | klare Trainingserlaubnis oder saubere Trennung | keine unautorisierte Datennutzung | Kundenverträge, Einwilligungen, Datenschutzdokumentation |
| AI Compliance | interne Policies und Zuständigkeiten | regulatorische Risiken eingeordnet | AI Policies, Risikoklassifizierung, Zuständigkeiten |
| Security | Incidents dokumentiert und behoben | keine ungelösten Sicherheitsrisiken | Security-/Model-Incident-Dokumentation |
| Warranties | belastbar abgebbar nach Dokumentationsstand | möglichst weitreichend und sanktionierbar | DD-Ergebnis als Grundlage für BV-Garantien |
AI- und Software-Red-Flags
Zusätzlich zu den allgemeinen Legal Red Flags sollten bei AI- und softwaregetriebenen Geschäftsmodellen folgende Punkte vor Öffnung des Datenraums geprüft werden:
- Trainingsdatenherkunft nicht dokumentiert
- Kundeninformationen ohne klare Trainingserlaubnis genutzt
- zentrale Modelle nur über persönlichen Founder-Account
- Drittanbieter-AI-Provider kann Bedingungen kurzfristig ändern
- OSS-Lizenzinventar fehlt
- Copyleft-Risiko nicht geprüft
- Freelancer-IP unvollständig übertragen
- Modelltraining und Datenschutzdokumentation widersprechen sich
- behauptete proprietäre Technologie besteht überwiegend aus Third-Party-Services
- AI-Warranty kann mangels Dokumentation nicht belastbar abgegeben werden
- bekannte Security-/Model-Incidents nicht dokumentiert
- keine Zuständigkeit für AI Governance definiert
Mitarbeiter, Management, VSOP und ESOP
- Arbeitsverträge
- Geschäftsführer- und Managementverträge
- Freelancerverträge
- Bonus- und Provisionsmodelle
- VSOP- oder ESOP-Dokumentation
- Individuelle Zuteilungsvereinbarungen
- Vesting- und Leaver-Regelungen
- Wettbewerbs- und Vertraulichkeitsregelungen
- Sozialversicherungs- und Statusrisiken
- Offene Streitigkeiten
Welche Kunden- und Lieferantenverträge sind relevant?
Im Commercial-Bereich prüfen Investoren insbesondere vertragliche Bindungen, die Umsatz, Abhängigkeiten oder das Closing beeinflussen können:
- Umsatzstärkste Kundenverträge
- Langfristige Verpflichtungen
- Mindestabnahmen
- Exklusivität
- Kündigungsrechte
- Change-of-Control-Klauseln
- Haftung
- IP- und Datennutzung
- Partner- und Resellerverträge
- Wesentliche Lieferanten
- Abhängigkeiten
- Rahmenverträge
- Mündliche oder nicht dokumentierte Nebenabreden
Legal Red Flag Review vor Öffnung des Datenraums
Vor der Freigabe des Datenraums sollten die typischen Legal Red Flags systematisch geprüft werden. Die folgende Tabelle zeigt häufige Probleme, ihre mögliche Auswirkung und empfohlene Vorbereitungsschritte.
| Themenbereich | Typisches Problem | Mögliche Auswirkung | Empfohlener Vorbereitungsschritt |
|---|---|---|---|
| Cap Table | Cap Table stimmt nicht mit Gesellschaftsvertrag oder Gesellschafterliste überein | Verzögerung der Prüfung, Nachbesserung bis zur Klärung | Abgleich und Konsistenzherstellung vor Freigabe des Datenraums |
| IP | Gründer-IP nicht vollständig auf die Gesellschaft übertragen | Closing-Bedingung oder Preisabschlag | IP-Zessionen prüfen und nachziehen |
| Cap Table / Finanzierung | Wandeldarlehen oder SAFE nicht vollständig dokumentiert | Unklare Verwässerung, Verzögerung der Runde | Vollständige Vertragsdokumentation zusammenstellen |
| VSOP / ESOP | VSOP-Zuteilungen widersprüchlich oder intransparent | Investorenreaktion, Garantieforderungen | Zuteilungsliste und Vesting-Schedules abgleichen |
| Altverträge | Zustimmungspflichten aus Altverträgen übersehen | Closing-Blockade durch fehlende Freigaben | Zustimmungspflichtige Maßnahmen frühzeitig identifizieren |
| Corporate | Fehlende Gesellschafterbeschlüsse | Unwirksame oder anfechtbare Kapitalmaßnahmen | Beschlussprotokolle vervollständigen |
| Personal | Freelancer mit Scheinselbstständigkeitsrisiko | Sozialversicherungs- und Haftungsrisiko | Statusprüfung und Vertragsanpassung |
| Datenschutz | Datenschutzdokumentation unvollständig | Regulatorisches und Haftungsrisiko | VVT und AVV ergänzen |
| Commercial | Wesentliche Verträge nur mündlich | Beweis- und Haftungsrisiko | Verträge schriftlich fixieren |
| Litigation | Laufende Rechtsstreitigkeiten nicht dokumentiert | Vertrauensverlust, Garantieforderung | Verfahren und Status offen legen |
| Commercial | Kundenverträge mit ungünstigen Change-of-Control-Klauseln | Kündigungsrisiko im Closing | Klauseln prüfen und ggf. Freigaben einholen |
| IP | Marken oder Domains nicht bei der Gesellschaft | Investor verlangt Übertragung als Closing-Bedingung | Rechteübertragung vorbereiten |
Zugriffsrechte, Q&A und Versionskontrolle
Neben dem Inhalt ist die Organisation des Datenraums entscheidend für einen geordneten Due-Diligence-Prozess:
- Gestufte Zugriffsrechte
- Need-to-know-Prinzip
- Besonders sensible Unterlagen
- Schwärzungen
- Personenbezogene Daten
- Zentrale Q&A-Liste
- Eindeutige Verantwortlichkeiten
- Versionierung
- Upload-Stopp während wesentlicher Überarbeitung
- Protokollierung neuer Dokumente
- Keine parallelen unkontrollierten Datenraumversionen
Investor-Data-Room-Checkliste
Die folgende Übersicht fasst die 14 Hauptkategorien als druckbare HTML-Checkliste zusammen.
Investor-Data-Room-Checkliste
Zusammenfassung der 14 Hauptkategorien als druckbare HTML-Checkliste für die interne Vorbereitung.
- 01 Corporate und Gesellschaft
- 02 Cap Table und bisherige Finanzierungen
- 03 Gesellschaftervereinbarungen und Investor Rights
- 04 IP, Software und Technologie
- 05 Mitarbeiter, Freelancer und Management
- 06 VSOP, ESOP und sonstige Beteiligungsprogramme
- 07 Kunden- und Lieferantenverträge
- 08 Datenschutz und IT
- 09 Finanzinformationen
- 10 Steuern
- 11 Compliance, Genehmigungen und Versicherungen
- 12 Rechtsstreitigkeiten
- 13 Business Plan und Marktinformationen
- 14 Sonstige wesentliche Verpflichtungen
Was umfasst ein DD-Readiness-Check?
- Bestandsaufnahme der vorhandenen Dokumente
- Abgleich von Cap Table und Corporate-Dokumentation
- Identifikation fehlender Unterlagen
- Red-Flag-Liste
- Priorisierung notwendiger Bereinigungen
- Empfehlung einer Datenraumstruktur
- Abstimmung mit Term Sheet und geplantem Zeitplan
- Einordnung, welche Themen vor Investorenzugang geklärt werden sollten
- Optional: AI-/Software-Readiness bei AI-, Software- oder datengetriebenem Geschäftsmodell
Nicht jeder Mangel lässt sich vor der Runde vollständig beseitigen. Der DD-Readiness-Check zielt darauf ab, die Themen vor Investorenzugang zu kennen, einzuordnen und zu priorisieren - nicht, in jedem Fall eine vollständige Bereinigung zu versprechen.
Optionaler Modulbaustein „AI / Software Readiness": Bei AI-, Software- oder datengetriebenen Geschäftsmodellen wird der DD-Readiness-Check um die Prüfung von Trainingsdaten, Modellen, Open-Source-Abhängigkeiten, Drittanbieterbedingungen und AI-Governance ergänzt. Der Modulbaustein kommt nur zum Tragen, wenn das Geschäftsmodell einschlägig ist.
Was passiert, wenn die Due Diligence ein Problem findet?
Ein DD-Finding ist nicht automatisch ein Deal Breaker. Entscheidend ist, wie das Risiko rechtlich und wirtschaftlich in die Finanzierungsrunde übersetzt wird. Die folgende Decision Matrix zeigt für typische Findings die mögliche Investor-Reaktion, die mögliche Cure, die Vertragsfolge und die Closing-Auswirkung. Welche Folge im Einzelfall greift, hängt vom konkreten Risiko und der Verhandlung ab – es gibt keine pauschale Zuordnung.
| Finding | mögliche Investor-Reaktion | mögliche Cure | Vertragsfolge | Closing-Auswirkung |
|---|---|---|---|---|
| Cap Table inkonsistent | Vollzugsverweigerung, Preisvorbehalt | Abgleich mit Gesellschafterliste, Beschlüssen | Warranty, ggf. CP | verzögert bis Abgleich |
| Gründer-IP fehlt | IP-Heilung vor Signing | Übertragungsverträge, Abtretungen | Warranty + Indemnity + CP | CP bis Übertragung |
| Freelancer-IP fehlt | Nutzungsrechtsvorbehalt | Nachträgliche Abtretung/Lizenz | Warranty + Disclosure | ggf. CP |
| SAFE/Wandeldarlehen unklar | Cap-Table-Aufklärung | Dokumentenprüfung, Wandlungslogik | Disclosure + Warranty | aufgeklärt vor Signing |
| VSOP-Zuteilungen unvollständig | Pool-Bereinigung | Ergänzung Zuteilungsvereinbarungen | Warranty + Undertaking | vor Signing oder CP |
| fehlender Gesellschafterbeschluss | Nachholung verlangt | Beschlussfassung nachholen | CP | CP bis Beschluss |
| wesentlicher Kundenvertrag kündbar | Risikoprämie, Warranty | Nachverhandlung Kündigungsrecht | Warranty + Disclosure | ggf. Specific Indemnity |
| Change-of-Control-Zustimmung | Zustimmung verlangt | Einholung Dritter | CP | CP bis Zustimmung |
| Datenschutzdefizit | Remediation-Plan | VVT, TOM, Löschkonzept | Warranty + Undertaking | CP oder Post-Closing |
| AI Training Data ungeklärt | Lizenz- und Herkunftsklärung | Lizenznachweise, Datenherkunft | Warranty + Disclosure | ggf. CP bei unklaarer Herkunft |
| OSS/Copyleft-Risiko | Compliance-Audit | OSS-Inventory, Lizenzprüfung | Warranty + Undertaking | vor Signing bereinigt |
| Rechtsstreit | Risikobewertung, Indemnity | Dokumentation, Streitwert | Disclosure + Specific Indemnity | Preisanpassung möglich |
| Scheinselbstständigkeit | Statusprüfung, Rückstellung | Vertragsanpassung, Statusfeststellung | Warranty + Indemnity | CP oder Indemnity |
| regulatorische Genehmigung | Genehmigungsnachweis | Beantragung, Nachreichung | CP | CP bis Erteilung |
| Tax Issue | Steuerliche Einordnung | Verbindliche Auskunft, Umstrukturierung | Warranty + Disclosure | ggf. Preisanpassung |
Mögliche Vertragsfolgen – differenziert
Die folgenden Konsequenzen kommen je nach Finding infrage. Keine pauschale Aussage, welches Finding welche Folge zwingend hat – die Folge wird im Einzelfall verhandelt:
- Cure vor Signing
- Condition Precedent
- Garantie
- Specific Indemnity
- Disclosure
- Kauf-/Investmentpreisanpassung nur soweit konkret verhandelt
- zusätzliche Information Right
- Post-Closing Undertaking
- Ausschluss bestimmter Assets/IP
- Deal Break nur bei entsprechendem Risiko
Welche Probleme sollten vor dem Term Sheet bereinigt werden?
Risiken, die sich vor der Term-Sheet-Phase wirtschaftlich klären lassen, stärken die Verhandlungsposition und reduzieren spätere Vollzugsbedingungen. Fünf Bereiche sollten prioritär vorbereitet werden:
Cap Table / Eigentum
Konsistenz zwischen Gesellschafterliste, Beschlüssen, SAFE/Wandeldarlehen und Cap Table.
IP Chain
Gründer-, Arbeitnehmer- und Freelancer-IP vollständig auf das Unternehmen übertragen.
bestehende Finanzierungsinstrumente
SAFE, Wandeldarlehen, VSOP/ESOP und Side Letters dokumentiert und eingemessen.
Founder-/Managementdokumentation
Geschäftsführer-, Vesting- und Leaver-Regelungen konsistent und vollständig.
regulatorische Blocker
Genehmigungen, Zulassungen und Compliance-Defizite früh identifiziert.
Welche Findings landen im Beteiligungsvertrag?
Jedes DD-Finding wird im Beteiligungsvertrag in ein konkretes Instrument übersetzt. Die folgende Abbildung zeigt den typischen Pfad vom Finding bis zur Indemnity:
DD Finding
Risiko aus Due Diligence
Warranty
Zustandsbestätigung im Vertrag
Disclosure
Offenlegung im Disclosure Schedule
CP
Vollzugsbedingung bis Closing
Undertaking
Post-Closing-Verpflichtung
Indemnity
Schadensersatz für spezifisches Risiko
Wann reicht Datenraum-Readiness nicht mehr?
Sobald DD-Findings konkrete Vertragsfolgen auslösen, reicht eine reine Readiness-Prüfung nicht mehr aus. Drei Scopes ordnen den Übergang zur Transaktionsbegleitung ein:
Readiness
Datenraum + Red Flag Review.
Transaction Review
DD + Term Sheet/Beteiligungsvertrag.
Full Round
DD + Beteiligungsvertrag + SHA + Notar + Closing.
Wann aus der Einzelfrage eine vollständige Finanzierungsrunde wird
Wenn nicht nur der Datenraum vorbereitet und einzelne Findings adressiert werden, sondern Term Sheet, Due Diligence, Beteiligungsvertrag, Gesellschaftervereinbarung und Closing koordiniert werden müssen, sollte der Scope als vollständige Finanzierungsrunde betrachtet werden.
Die punktuelle DD-Unterstützung ersetzt keine vollständige Transaktionsbegleitung: Sobald die Prüfung des Datenraums mit der Verhandlung der Terms, der Abstimmung der Definitive Documents und der Terminsteuerung bis zum Closing zusammenfällt, liegt der Mandatsumfang oberhalb der reinen Due-Diligence-Begleitung.
Series-A-Runde vollständig begleiten lassenDatenraum vor der Investor Due Diligence prüfen
Ein strukturierter Datenraum beschleunigt die Prüfung und verhindert, dass vermeidbare Dokumentationslücken erst durch den Investor entdeckt werden. Palmerion prüft Corporate-Unterlagen, Cap Table, Beteiligungsdokumentation und zentrale Legal-Red-Flags vor Freigabe des Datenraums.
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Häufige Fragen zum Datenraum und zur Due Diligence
Wann sollte der Datenraum vorbereitet werden?
Ein Datenraum sollte spätestens aufgebaut werden, sobald konkrete Investorengespräche beginnen. Für institutionelle Runden empfiehlt sich die Vorbereitung bereits vor Abschluss des Term Sheets. Entscheidend ist ein vollständiger, konsistenter und nachvollziehbar strukturierter Bestand - nicht die maximale Dokumentenmenge.
Welche Unterlagen gehören in den Datenraum?
Die Datenraumstruktur umfasst typischerweise Corporate und Gesellschaft, Cap Table und bisherige Finanzierungen, Gesellschaftervereinbarungen und Investor Rights, IP und Software, Mitarbeiter, Beteiligungsprogramme, Kunden- und Lieferantenverträge, Datenschutz und IT, Finanzinformationen, Steuern, Compliance, Rechtsstreitigkeiten, Business Plan und sonstige wesentliche Verpflichtungen.
Was ist ein Legal Red Flag Review?
Der Legal Red Flag Review identifiziert vor Öffnung des Datenraums die Themen, die eine Investition oder das Closing beeinflussen können - etwa fehlende IP-Übertragungen, Widersprüche zwischen Cap Table und Dokumentation oder ungünstige Change-of-Control-Klauseln in Kundenverträgen.
Was tun, wenn Cap Table und Dokumentation nicht übereinstimmen?
Cap Table und rechtliche Dokumentation müssen vor der Freigabe des Datenraums aufeinander abgestimmt werden. Widersprüche verzögern die Prüfung und schwächen die Verhandlungsposition. Im DD-Readiness-Check werden solche Inkonsistenzen identifiziert und priorisiert bereinigt.
Was umfasst ein DD-Readiness-Check?
Er umfasst die Bestandsaufnahme der Dokumente, den Abgleich von Cap Table und Corporate-Dokumentation, die Identifikation fehlender Unterlagen, eine Red-Flag-Liste, die Priorisierung notwendiger Bereinigungen, die Empfehlung einer Datenraumstruktur und die Abstimmung mit Term Sheet und geplantem Zeitplan.
Müssen alle Mängel vor der Runde beseitigt werden?
Nein. Nicht jeder Mangel lässt sich vor der Runde vollständig beseitigen. Wichtig ist, die Themen vor Investorenzugang zu kennen, einzuordnen und zu priorisieren, damit vermeidbare Dokumentationslücken nicht erst durch den Investor entdeckt werden.
Autor und fachlich verantwortlich
Dr. Christopher Hahn, LL.M. (King's College London)
Rechtsanwalt, Unternehmer und Autor · Partner bei trustberg Rechtsanwälte
Dr. Christopher Hahn berät zu Venture Capital, Finanzierungsrunden, Beteiligungsstrukturen und Mitarbeiterbeteiligung. Bei Palmerion begleitet er die strategische Einordnung von Venture-Themen.
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